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Dein Studium hast du ja am wunderschönen Länderdreieck Deutschland, Belgien, Niederlande verbracht und einige spannende Lebensmomente im historisch bedeutsamen Aachen erlebt. Eine Eigenart des grenznahen Wohnens ist das gegenseitige “Aufeinanderherabschauen”. Kennst du das, FoolCan? Da gibt es die “Fritten”, die “Käsköppe” und die “Moffen”. Sehr merkwürdig. Es wird durch Sprache, Küche und vor allem Autokennzeichen Stellung bezogen. Dir als Unbeteiligter sind die Bilder aus Herzogenrath/Kerkrade zum Länderspiel Deutschland: Niederlande von 1990 noch sehr präsent. Das Städtchen zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es dort den besten Imbiss für “Fritt Suurflees” gibt und dass die Haupstraße auf der einen Seite deutsch ist und auf der anderen niederländisch. Lediglich ein zaghafter Bordstein reckt sich grenzbewusst aus dem Asphalt und erinnert den nachdenklichen Imbissbesucher an schwarz/weiß verbrämte braune Tage, die man lieber vergessen möchte als sollte. Die Schlagbäume sind gefallen – viele Vorurteile nicht. Und so standen sich die Fans der Mannschaften brüllend gegenüber, bis es zu den ersten Schlägereien kam. Scheinbar sinkt der IQ der Menschen in der Nähe von Grenzen temporär. Oder liegt es doch am Fußball?

Auch in deiner (immer noch) neuen Wahlheimat Bayern gibt es Grenzen – auf der Landkarte und in den Köpfe. Und auch hier wachsen Vorurteile gut im Schatten der Schlagbäume. So sind die “Ösies” auf bayrischen Autobahnmittelstreifen ungefähr so gerne gesehen wie die “Käsköppe” mit ihren klischeehaften Wohnwagenanhängern in Nordrhein-Westfalen. Die “Piefkes” werden nur unter Protest in Wien geduldet und diese bedanken sich damit, dass sie sich grundsätzlich für was Besseres halten. Das macht insbesondere in der Werbung grenzüberschreitendes Texten fast unmöglich. Mit akribischem Feingespür reagiert der Österreicher auf sprachliche Unterschiede. Sensibelste Detektoren vermelden umgehend tektonische Verwerfungen in Satzbau und Vokabeleinsatz. Im Gegenzug hat es in Deutschland jeder Österreicher schwer, für seinen Zungenschlag Verständnis zu bekommen. Aber auch hier gilt, wie fast immer bei diesen inhaltslosen Auseinandersetzungen: Je weiter Weg von der Grenze, desto weniger Verwerfungen und Irritationen und umso mehr freundliches Interesse gibt es an den Eigen- und Besonderheiten des Anderen. Da ist allerdings der Österreicher naturgemäß etwas im Nachteil, da er sich auf Grund der Landesgröße nie wirklich weit von seinen Grenzen fernhalten kann. (Diese letzte Bemerkung ist selbstredend dem grenznahen Entstehen des Textes zu schulden, und keinesfalls dem vorurteilsfreien Autor dieser Zeilen anzulasten [wär ja auch schön blöd, wo doch die Österreicherdichte in deiner Chefetage eine überproportionale ist]).

Aber bei aller liebevoller Frotzelei und allen nachbarschaftlichen Neckereien haben uns die Österreicher eines aber auch sowas von voraus, dass uns Piefkes aber mal sowas von den Griffel aus der Hand hauen sollte. Was das ist? Schaut auf das beigefügte Foto. Dort ist mein absolutes Lieblingsdenkmal abgebildet. Es steht in Salzburg schräg rechts …äh, nee, natürlich links hinter dem Mozart-Denkmal und erinnert an den österreichische Widerstand gegen die WAA Wackserdorf in den 80ern. Die Bevölkerung unseres bealpten Nachbarstattes hat sich 1978 so erfolgreich gegen den Einsatz von Atomenergie in ihrem Land ausgesprochen, dass Atomenergie in einem Gesetz auf Verfassungs-Niveau verboten ist! Wir beide, Autor und Leser dieses Blogs, ziehen unseren Hut vor einer Nation, der es tatsächlich gelang – entgegen allen wirtschaftlichen Interessen – eine schlichte Wahrheit in Recht zu verwandeln.

Wikipedia sagt hierzu:
Das Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich ist ein österreichisches Verfassungsgesetz, das die Nutzung von Kernkraft zur Energiegewinnung und den Bau entsprechender Anlagen verbietet. <mehr erfahren>

und wir, atomfreier FoolCan sagen dazu:
Glückliches Österreich!

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